Supervision: Subvision verbessern

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D-Radio: Gespräch, Verriss

20. August, 2009 · Kommentar schreiben

Deutschlandradio Kultur, 20.08.2009, Feuilleton-Pressegespräch mit Jens Jessen, Feulletonchef der „Zeit“ (mp3, ca. 10 Min.)

(Ca. das erste Drittel des Gesprächs dreht sich um den neuen Tarantino-Film, danach geht es um „subversive“ Kunst – und in diesem Zusammenhang auch um Subvision.)

Nach meinem Empfinden ein – was Subvision angeht – (Jessen-typisch nonchalanter, aber) völlig berechtigter Verriss.

Merkwürdig: Woher plötzlich die Kategorie „subversiv“ auftaucht. Ich hätte gedacht, das wären Diskurse der 80er-/frühen 90er-Jahre?! Ich würde behaupten, darüber ist die sogenannte „Offkunst“ heute hinaus (klar: Offkunst kann – und soll gerne – auch heute subversiv sein. Aber Subversivität als wesentliche Hauptkategorie von – oder gar Synonym für – Offkunst scheint mir um Jahre hinter den aktuellen Debatten zu liegen).

Klar: Wenn man sein „Festival“ „Subvision“ nennt und damit explizit auf Subversion anspielt, muss man sich genau daran messen lassen – sowohl auf Seiten der Organisatoren, als auch auf Seiten der Teilnehmerschaft. Wenn eins klar ist: Subversiv ist an diesem Hamburg-, Hafencity- und Leitungsgremium-Selbst-Marketing-Festival so ungefähr gar nichts.

Dass Jesssens Verriss explizit auch teilnehmende Künstlerinitiativen trifft, ist für die betreffenden Initiativen bedauerlich und in der Einzelargumentation wahrscheinlich sogar teilweise unzutreffend und ungerecht. Andererseits ist es kein Wunder, dass es in der Außenwahrnehmung zu einer derartig starken Identifizierung der Initiativen mit dem Festivalkonstrukt selbst kommt.

Die mögliche und schon absehbare, scheinbar clevere Argumentation sowohl von Festivalleitung als auch von teilnehmenden Initiativen – „es wurde bewuss so konstruiert um Kontroverse und Widerspruch zu provozieren“ von Festivalseite bzw. „wir nehmen zwar teil, aber nur um das Konstrukt mit unseren Mitteln in Frage zu stellen“ von Teilnehmerseite (oder dergleichen Argumentation) – erweist sich hier als Falle. Einerseits ist es sowieso durchsichtig, weil damit retrospektiv jede mögliche Form von Scheitern argumentativ als Erfolg dargestellt werden kann. Andererseits funktioniert es – wie Jessen (immer wieder lachend) darstellt – heutzutage einfach nicht mehr, weil solche Methoden mittlerweile zum gängigen und auch von arglosen Verbrauchern längst durchschauten Standardrepertoire von Webung/Marketing/PR gehören.

Das schönste ist, ich kann mit einer ebenso durchsichtigen Argumentation schließen: Dass es so kommt war vorhersehbar und ist spätestens seit Anfang 2008 von vielen wiederholt gesagt worden.

Update: Jetzt ist auch der Zeit-Artikel, um den sich die D-Radio-Diskussion drehte, online:

Zukunft der Kunst: Was ist heute noch subversiv? Von Hanno Rauterberg

Leider nicht hundertprozentig sauber recherchiert. Und – wie gesagt – scheint mir Subversion in bezug auf Offkunst die falsche Kategorie zu sein. Verursacht – zumindest mitverursacht – ist das Missverständnis, wie oben schon angedeutet, meiner Ansicht nach von Subvision. Der Kunst, der Offkunst und ihrem eigentlichen Anliegen, dient Subvision damit einmal mehr nicht, sondern konterkariert sie durch die Form der Präsentation und der Aus-Stellung.

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Was ist eigentlich „off“?

25. April, 2008 · 1 Kommentar

- Eine Frage mit der sich die Hamburger freien Kunstorte und -initiativen schon bei ihrem ersten „WIR SIND WOANDERS„-Symposium im Herbst 2006 beschäftigten. Eingeladen waren verschiedene Experten, die sich unter anderem sehr sorgfältig mit dem Begriff „off“ auseinandergesetzt haben. Dokumentiert ist das Symposium im „Reader„. Tim Voss, heute Subvision-Kurator, war damals nicht unwesentlich – als Koordinator – beim Symposium beteiligt. Und man kann – und sollte davon ausgehen, dass die anderen Subvision-Organisatoren diesen Reader sorgfältig gelesen haben. Denn ohne falsche Bescheidenheit kann man sagen, dass der Reader, was die Zusammenstellung von Positionen zum Off-Begriff in einer Publikation angeht – momentan sicherlich einzigartig ist.

Bei aller Rücksicht auf die im Reader geäußerten recht unterschiedlichen Positionen, kann doch pauschal zusammengefasst werden: „Off“ lässt sich kaum eindeutig definieren. Unterstellend, dass der Reader bei Subvision bekannt ist, fragt man sich: Warum führt das „Kunst. Festival.“ „Off“ im Untertitel??? Auf welchen Off-Begriff berufen sich die Veranstalter?

Ich vermute mal: Es ist ihnen egal. „Off“ fungiert bei Subvision bloß als vermarktbares Abziehbild, als Hülle, die jeder Besucher beinahe beliebig füllen kann: Off ist dreckig unbekannt naiv trendy experimentell jung schräg unvorhersehbar neu subversiv trashig gefährlich unzugänglich clever spannend komplex unfertig bombastisch schön ungewohnt unkommerziell hässlich provokant trendy harmlos aufstrebend bezahlbar hermetisch ausbaufähig abgebrüht kaputt cool undurchschaubar offen erfrischend zäh anregend größenwahnsinnig konsequent unvollendet wild lahm…

… und so kann das praktisch endlos weitergehen.

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schwarzgrün

22. April, 2008 · Kommentar schreiben

Linksammlung zum Hamburger schwarzgrünen Koalitionsvertrag – zu Kunst und Offkunst sieht es sehr mager aus, was in dem Vertrag steht:

Subvision liegt voll im Trend, bei dem was Schwarzgrün kulturmäßig so vorhaben in den nächsten Jahren: Ver-Kulturwirtschaftisierung und Ver-Richard-Floridaisierung, mehr Hülle als Inhalt, oberstes Ziel Vermarktbarkeit der Kultur im Sinne des Stadtmarketings.

Immerhin, ein wenig scheint die kulturpolitische Lobbyarbeit von WIR SIND WOANDERS gebracht zu haben:

Für die unbürokratische Förderung von kulturellen Off-Projekten aller Sparten wird werden (sic!) gesonderte Fördermittel zur Verfügung gestellt.

Auch wenn’s mit dem Korrekturlesen in der Hektik und Vorfreude aufs Regieren nicht mehr ganz geklappt hat: Dieser eine Satz zur Offkunst im Koalitionsvertrag hat – zumindest auch - einige Wurzeln im Politikergespräch zum Abschluss von WIR SIND WOANDERS #2, so wage ich zu behaupten.

Kategorien: Peripherie
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Wozu …

15. April, 2008 · Kommentar schreiben

… brauchen wir in Hamburg eigentlich noch Kunst? – Wir haben doch Michael Batz!

(Dieser will im Sommer mehr oder weniger den gesamten Hamburger Hafen blau beleuchten – vom „Kreuzfahrtterminal“ in unmittelbarer Nähe des geplanten Subvision-Schauplatzes in der Hafencity bis nach Altona. Anlass sind die „Hamburg Cruise Days“ – aus der gleichzeitigen Anwesenheit mehrerer Schiffe im Hamburger Hafen wird hier gleich ein Event – vermutlich im Dienste von Hamburg-Marketing.)

Kategorien: Peripherie
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